Sonntag, 29. April 2012

Black-out.

Es war blau, und es war ein bisschen grün dabei. Nur ein wenig, nicht viel. Orange sollte erst auch noch rein, nur man entschied sich aber später, es dabei zu belassen. Wäre sonst zuviel des guten. Man darf ja nicht übertreiben. Dem Orange gefiel das natürlich nicht. Es protestierte erst. Nur hatte es nicht viel erreicht, eigentlich garnichts. Es schmollte vor sich hin und aß dann eine Schale Cornflakes, die hatte es noch über.
Das blau indes freute sich. Es hatte nun einen neuen Spielpartner und brauchte sich nicht mehr um das Broteschmieren kümmern.
Eben kam dem blau ein famoser Gedanke. Während es beim Essen aus dem Fenster starrte, den verspielten Blick über den Vorgarten kreisen ließ, entsprang aus seinem Inneren die überwältigende Idee, die doch tatsächlich einfach mal alles übertreffen konnte, was sich das blau je ausgedachte hatte: Es würde nämlich einfach einen Smartphone-Baum pflanzen. Mit ganz vielen HTCs, Samsungs und LGs. Die würde es dann bis zur Reife am Baum gedeien lassen, sie dann bei gutem Wetter und ausreichend Loungemusik im Hintergrund mit den intangilen Armen pflücken und gewinnbringend auf dem Markt verkaufen. Es sprühte jetzt schon über vor Begeisterung und vibriete auf dem Stuhl wie ein frisch geschlüpfter Pavian. Doch die Mimik verdüsterte sich, es rieb sich die intangilen Hände und blickte von links nach rechts und dann wieder nach links und im Anschluss wieder nach rechts. Wobei es nochmals nach links blickte um sich zu vergewissern, dass dort nichts war und es da auch ja hingeguckt hatte. Es beruhigte sich. Mutig blickte es nochmal nach rechts und einmal noch nach links, und um diese wirrte Handlung letztlich abzuschließen, nach rechts. Hier und da war wirklich nichts.
Großartig. Es hörte partout mit dem Händereibe auf und dropte ein Glas Milch auf den Boden. Es zerschellte. Das blau müsse ja aufpassen, dass niemand die geniale Idee zu stehlen gedachte. Vielleicht sollte sich das blau diese patentieren lassen. Wenige kamen auf die Idee, sich Ideen patentieren zu lassen. Es würde einigen voraus sein. Vielen, sogar Hunderten. Ja sogar, und diese Erkenntnis ließ seine knuffigen Pelzöhrchen flattern wie Apfelmus, Abertausenden. Doch wo sollte es anfangen? Es konnte grün um Rat beten, doch grün war immer so negativ abgeschmeckt. Da wollte es jetzt nicht umbedingt vorsprechen, wobei es auch nicht die Art von blau war, Dinge so am Schopf zu packen. Lieber ließ es diese auf sich zukommen. Zuerst würden sie aus der Ferne beobachtet, dann im Näherkommen untersucht, vermessen, in einer Statistik mit alten Zuständen verglichen, bewertet, nochmal verglichen, im Suppentopf gekocht und dann mit einer Rakete auf den Mars geschossen. Und erst beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nach einer wirklich überaus sehr langen Reise bekämen sie ihre wohlverdiente Entscheidung zu Gehör. Und diese war dann wirklich amtlich, selbst vom Präsidenten persönlich unterzeichnet. Darauf konnte man dann echt stolz sein. Vom Präsenten, also das war wirklich was wert. Viele machen danach erstmal eine Cocktailparty, um diesem Anlass auch gebürtigen Respekt zu zollen.
Das blau wollte aber nicht so lange warten und Geld für eine Interplanetenrakete hatte es auch gerade nicht. Eine Alternative musste her. Ein Glück, dass gerade eine Reminiszenz an sein Schallgebälg laffelte. Damals gab es nämlich im örtlichen Discounter immer diese Kassierer und Kassiererinnen, den am Schalter saßen und nun ja, kassierten. Diese wären doch die idealen Geschöpfe für eine ausgedehnte Fragerunde. Das blau taufte sie umgehend auf den Namen "Idea Patent Consulting" und entschwand gen Discounter. Doch noch während es den Weg zum Ziel beschritt, ging es schon die Schritte und Fragen geistig durch: Wieviel würde eine solche Patentierung kosten? Gibt es alternative Patentiersysteme? Und wieviele Punkte hat ein Drei-Punkte-Gurt? Leicht darüber sennierend betrat es die überwältigend weitläufige Eingangshalle mit ihren beiden Gemüsetruhen und dem fast dimensionslos langen Katzenmilchregal. Gut, dass es erwähnt wurde, dachte das blau, es hatte nämlich Durst und griff indes auf eine Wasserlösung zurück. Es stelle sich dafür an die Wursttheke an. Hier gibt es Wurst und Würste, sagte der Wurstmann. Auch für dich haben wir eine Wurst. Mit seinen Wurstfingern glitt der Wurstverkäufer mit einem an eine Wurst angelehten Messer durch die Dickwurst durch und wurstete sie über den Thresen. Das blau nahm sie entgegen. Jetzt sollte es aber ernst werden. Also sprach das blau.

Freitag, 11. November 2011

Ensemble.

"Und weißt du jetzt, was ich dir damit sagen will?" - "Eigentlich nicht." - "Das ist schlecht." - "Wie man's nimmt, nech." - "Sag nicht sowas, ich find das relativ offensichtlich." - "So kommt es aber nicht rüber." - "Und da soll ich was zu können? Nein halt, warte, obacht!" - "Jetzt kommt's." - "Ja genau, also wie eben gesagt, du musst fokussieren." - "Das ist mir klar." - "Also warum dann das Unverständnis?" - "Naja, du musst dich nur mal reden hören." - "Wie, red' ich so schlecht?" - "Nicht unbedingt." - "Woran liegts dann?" - "Nun, das zu beschreiben, könnte Wochen dauern." - "Wir haben Zeit." - "Fast, du hast Zeit." - "Du auch." - "Woher willst das wissen?" - "Was hast du denn zutun?" - "So einiges." - "Das da wäre?" - "Du bist mir zu neugierig." - "Betreibe nur Tatsachenanalyse." - "Schönes Wort." - "Ja ich weiß. Lenk nicht vom Thema ab." - "Tut nichts zu Sache." - "Dann zu." - "Mir fällt nichts ein." - "Ha!" - "Ja schön, ich muss weg." - "Achso, der werte Herr muss weg. Stimmt, ganz großes Kino." - "So groß nun auch wieder nicht." - "Und wo gehts hin, wenn ich fragen darf?" - "Du darfst fragen." - "Also..?" - "Ja, mir gefällt's auch nicht." - "Und wo liegt das? In Dummbatzhausen?" - "Nein, an der Kot Azür." - "Ferkel." - "Ich komme nur auf dein Niveau runter." - "Das hat sich schon lange verabschiedet." - "Und wohin?" - "Spiel mir nicht den Ball zu!" - "Ich wollt ihn gerade werfen." - "Packste nicht." - "Du siehst gleich, was ich packe." - "Deine Koffer, ich seh' schon." - "Nein, die sind fertig." - "Ha! Du verreist." - "Ach, Schmarrn." - "Wäre aber naheliegend." - "Ist aber realitätsfern." - "Nicht unbedingt." - "In diesem Fall schon." - "Ohne mich?" - "Bleibe ja hier, Junge!" - "Aber was ist mit den Koffern?" - "Was soll mit den sein?" - "Gepackt?" - "Wenn ich nicht verreise?" - "Das wolltest du aber."  - "Merkste was?"- "Ja, bitte?" - "Wir drehen uns im Kreis." - "Ist dir schwindlig?" - "Nein, schlecht." - "Warte, ich sag dem Piloten, er soll runter." - "Das macht er nicht." - "Klar, ich geh gleich hin. Vielleicht treffe ich einen Arzt." - "Gewiefter Bursche." - "Nur das beste, weißt du doch." - "Stimmt, ich vergaß." - "So früh schon Alzheimer? Noch einen Grund zum Arzt zu gehen." - "Das geht erst in ein paar Jahren los." - "Na hoffentlich nicht." - "Könnte sich aber zutragen." - "Da kann man was gegen machen." - "Das war ein Witz." - "Und wenn schon, Denksport!" - "Las ich bereits." - "Wo?" - "Ich sag ja, du bist neugierig." - "Der Name einer neuen Tageszeitung?" - "Und naiv. Unter uns: nein." - "Da kennt sich einer aus." - "Gewiss." - "Also..?" - "Was nun schon wieder?" - "Wo bildest du dich?" - "Gute Frage." - "Frage immer gut." - "Da, wo auch andere sind." - "Definiere andere." - "Individuen." - "So?" - "Geh mal davon aus, dass es Humanoiden sind." - "In unserem Umfeld? Lachhaft." - "Musst du ja nicht verstehen." - "Bleiben wir bei Geisteseinrichtungen." - "Das wäre ein Anfang." - ".. der Stein ist gesetzt." - "Der Mörtel fehlt." - "Kommt gleich, holt Kalle." - "Dein neuer Buddy?" - "Leben wir in Amerika?" - "Amerika, wunderbar!" - "Schön, du kannst reimen." - "Zufall." - "Zufälle gibts." - "Steine auch." - "Zwangsläufig. Sonst wäre das Haus nicht da." - "Wo ist es denn?" - "Mach die Augen auf." - "Mach du lieber, ich schaue dich an." - "Etwas anderes wär auch unhöflich." - "Ich bin gut erzogen!" - "Merkt man." - "Frau auch." - "Ja, die auch." - "Wann kommt er denn wieder?" - "Wer, Kalle?" - "Dein Nachbar!" - "Ach der. Wo ist der überhaupt?" - "Das solltest du wohl wissen!" - "Angeblich mehr Steine holen." - "Sicher. Im Flugzeug." - "Wer sagt das denn?" - "Schau dich um." - "Sehe.. öhm.. Luft." - "Unmöglich." - "Glaubst du." - "Wie sollte das funktionieren?" - "Erklär ich dir." - "Na dann los!" - ".. aber erst, wenn Kalle wieder da ist." - "Wo ist er denn?" - "Sag ich ja." - "Mokiere mich nur." - "Klar!" - "Ernsthaft." - "Du denkst ja auch, dass wir im Flugzeug sitzen." - "Sitzen wieder nicht?" - "Schau dich um!" - "Du wiederholst dich." Schweigen.
"Du hast tatsächlich Recht." - "Das weiß ich, das musst du mir nicht sagen." - "Ich helfe gern." - "Ich half gern." - "So, nicht mehr?" - "Irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen." - "Hattest du Schreibutensilien?" - "Einen Stift. Ja." - "Farbe?" - "Uninteressant." - "Überhaupt nicht!" - "Wen interessiert das?" - "Mich!" - "Gut. Blau." - "Wie das Meer?" - "Wie das Meer." - "Blau blüht der Enzian." - "Richtig." - "Alle meine Entchen schwimmen auf dem See." - "Das war einmal." - "Bin auch blau." - "Glaub's dir auf's Wort." - "Das ist gemein."  - "Eine Farce!" - "Ich lachte. Nicht." - "Sehr gut. Angekommen?" - "Was, der Mörtel?" - "Nein, der Nachbar." - "Der kommt schon." - "Na dann." - "Das lässt mich wirklich glucksen." - "Lachst du über mich?" - "Nein, jetzt geht's mal nicht um dich." - "Um wen dann?" - "Dass ich es nicht weiß." - "Was genau?" - "Thunfisch." - "Bestellt?" - "Nein. Mein Nachbar." - "Ich.. kann.. nicht folgen." - "Mit Nachnamen. Thunfisch. Soll's auch geben." - "Jaa, ganz eindeutig. Ganz eindeutig." - "Glaubst du nicht? Ich hol ihn her!" - "Wenn du nicht weißt, wo er ist." - "Wer sagt denn, dass ich seine Nummer nicht hab?" - "Die Nachbarin." - "Du hast Kontakt?" - "Hatte." - "Was ernstes?" - "Hmm.. kann man.. kann man sagen." - "Länger her?" - "Naja, sind wohl scho so zwo Jahr." - "Gut, dass wir's angesprochen haben." - "Muss alles mal raus. Frühjahrsputz." - "Im Herbst." - "Resteverzehren." - "Gute Idee." - "Immer. Leere gefällt." - "Aber nicht mir, hab Hunger." - "Wir aßen doch erst." - "Ja genau. Erst." - "Ja, und?" - "Wie lang ist das jetzt her?" - "Weiß nicht." - "Denk!" - "Du hast die Uhr." - "Und du das Zeitgefühl." - "Bei einer Uhr fakultativ." - "Okay, okay. Geb mir.. 3 Stunden." - "Sehr nah!" - "Passt." - "Naja, nicht ganz, aber die Richtung stimmt." - "100 Punkte!" - "Eher 10 Steine. Die wiegen." - ".. schwerer." - "Schöne Vollendung." - "Gutes Stichwort!" - "Wofür?" - "Schau hoch!" - "Oh."
Beide erheben sich und verlassen die Gärtnerei.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Maskerade.

Lang ist's her, doch der Blog ist noch alive. Jetzt, da die Ferien zu Ende sind, gehe ich davon aus, dass mehr Zeit in einem größeren Maße zur Verfügung steht und ich eben diese nutzen kann. Danke dafür, du Zeit, du.
Worauf dieser Post hinaus will, ist den Sinn zu ergründen, warum man(n) viel Geld verdienen möchte. Oder auch jeder, nicht nur man.
Warum studiert man, warum will man möglichst einen dicken Haufen Kohle verdienen? Was ist der elementare Sinn davon? Ich kanns sagen: Um Anzugeben! Ganz klar, die einzig sinnvolle Erklärung auf diese epische Frage. Warum will ich sehr viel verdienen? Um mir später mal einen übelst fetten Sportwagen zu kaufen. Und um damit vor den Clubs der Welt rumzuprollen. Damit man möglichst viele weibliche Mitmenschen anlockt. Denn man muss sich ja verkaufen! Der Markt ist hart umkämpft, ist überschwemmt von Deppen und Kalauer! Wie kann man sich also aus der breiten Masse hervorheben? Indem man geile Autos fährt und damit aussagt, "ich hab Stil, Geld, Intelligenz und Erfolg". Und schon stehen die Mäuse Schlage. Das ist der Sinn des Lebens! Wer brauch schon Familie, Kinder und so komische Sachen? Kosten doch nur sinnnlos Geld! Es ist doch viel praktischer, sich eine Schüssel à la Audi R8, S63 AMG, Aston Martin DBS oder Lamborghini Aventador zu kaufen, damit vor die Clubs zu fahren, zu zeigen, "ey, ich bin der geilste, ich fahre einen Luxuswagen und hab internationale Beziehungen!" Das zieht doch bei den Mädels viel mehr als bloßes Anlabern auf der Tanzfläche wie: "Hey, du siehst durstig aus, kann ich dir was zu trinken holen?" Dann muss man sogar zu den Mädels hingehen. Und dann noch eine Konversation anfangen. Das geht doch alles viel einfacher! Der Knochen kommt zum Hund! Hat man erstmal den passenden Untersatz parat, kommen die Frauen wie Fliegen zum Licht.
Die Mädels freuen sich doch und fühlen sich geschmeichelt. Sie sehen ganz klar, dass vor ihnen eine rosige Zukunft auf vier Rädern sitzt, die bestimmt Wege findet, sie durch ausreichend Vitamin B in die Führungspositionen der Großunternehmen zu befördern.
Wie will man denn bitte sonst zeigen, wie cool man ist? Mit Grips? Mit einem IQ von 180? Unmöglich, das bringt einem auf der Tanzfläche genauso wenig wie eine Sonnenbrille bei Nacht. Sowas kann man ja nicht sehen. Man muss zeigen, was man besitzt, nicht was man hat! Materielle Dinge und Oberflächlichkeit sind die entscheidenen Keywords!
Denn hat man erstmal ein Mäuschen eingefangen, kann man(n) langsam damit beginnen, sie mit teuren Luxusgütern wie Louis-Vuitton-Taschen zu umgarnen, ihnen exklusive Klamotten zu kaufen, sie in teure Restaurants auszuführen (mindestens ein Michelin-Stern, darauf wird geachtet!) und mit ihr mal kurz zum Frühstück im Eiffelturm nach Paris zu fliegen.
Und dann erst kann man den nächsten Schritt wagen: den Abschiedskuss. Bis man sie aber später in der eigenen Villa begatten darf, ist es noch ein Weilchen hin.
Aber der Weg ist schonmal klar: früh anfangen zu lernen, gute Noten schreiben, ein gutes Abi hinlegen, dann ein gutes Studium machen, schnell die Karriereleiter hochklettern und Beziehungen aufbauen, um dann schnell an möglichst viel Geld zu kommen und um sich dann einen geilen Sportwagen zu kaufen! Denn wichtig sind nur Statussymbole! Nichts anderes. Damit legt man den Grundstein für das Klarmachen von Mädels. Ist einfach so, hab ich mir nicht ausgedacht.
So, ich hoffe, dass das jetzt ein bisschen klarer geworden ist. Und nun setzt euch endlich an den Schreibtisch und lernt für die Klausuren!

Montag, 18. Juli 2011

Verquer.

Im letzten Post haben wir uns ja die Taube angesehen, die Scotch trinkend vor dem Fenster gammelt und wohl irgendetwas mit dem Gustav in der Spülmaschine zutun hat. Nun, heute versuchen wir eine reale Beziehung zwischen diesen beiden Objekten aufzubauen und die biologischen Vorgänge in dem Tier zu analysieren.
Okay, das würde jetzt ein biologischer Wirtschaftler sagen. Oder ein Verhaltenstheoretiker. Da wir aber keiner von beiden sind und mehr Wert auf einen angemessenen Unterhaltungsfaktor legen, geht uns das einen feuchten Kehricht an und wir gucken einfach sinnlos zu, was passiert.
Die Taube bemerkt zu Beginn, dass irgendetwas mieses in der Luft liegt. Da sie klar neben dem Küchenabzug geparkt hat, ist es naheliegend, dass ihr die mächtigen Düfte in die Nase flattern, die sich ausgehend vom Suppentopf den Weg durch die Röhre gesucht haben. Wobei sie (ob einer neckischen Bemerkung nicht verdrossen) an einem Stützpfeiler angeeckt haben, vor dem sich ein Insektenpaar rumtreibt. Das geht da fröhlich auf und ab und bestaunt die innenarchitektonische Meisterleistung vom Hauskonstrukteur, der sich für die Abzugsröhre zu verantworten gedenkt. Hat er ja ganz fein gemacht.
Damit kann die Taube aber nicht viel anfangen, genauso wenig der Wirtschaftler, der auch neben dem Fenster sitzend wild auf seinem Block rumkritzelt. Er begutachtet die Abzugsgitter, auf denen sich im Laufe der Zeit graue Ablagerungen perpetuiert haben. Recht klar kann man Strukturen von Mais und Hähnchenbrustfilet erkennen. Ob das zusammenpasst, mag der Wirtschaftler zu bezweifeln, ist aber auch nicht Teil seines analytischen Abcheckens.
Im Taubenkopf wiederum spielt sich gerade sonderbares ab. Der Scotch hat sie - das nimmt sie wohlwollend an - etwas umtriebiger gemacht, was auf die Gedanken in ihrem kleinen Hirn zu schließen ist, da sie auf einmal Träume von Putzlappen und Vannelinpäckchen hat. Das ist zweifelsohne eine sonderbare Konstellation. Die Taube schaut tief grübelnd durch das Fenster auf die Mudda, die vor ihren Augen anfängt, die Spülmaschine zu entleeren. Und jetzt kommt der große Moment: Der Gustav wird endlich aus seiner Sklaverei befreit! Die anderen Geschirrobjekte hatten sich nämlich gedacht, den Gustav zu ihrer Tanznutte umzuerziehen. Herausgekommen ist ein mit Pailletten zusammengehämmertes Kleid, das der Gustav tragen muss. Sowie ein rechteckiger Zylinder, auf dem sich eine Sojabohne hingeflackt hat. Gemeinsam ergebt sie ein nicht unbedingt legères Gesamtbild, dass nur die Mudda mit ihrem Nasenbärkostüm zu übertreffen vermag. Ist sei nämlich gerade Halloween, und da trägt man halt sowas. Braucht mich nicht fragen, ich hab's mir nicht ausgedacht.

Sie entlockt nun Gustav aus seiner Stoffumhüllung, legt ihn geschmeidig auf einen Stapel voller eingepackter Cremetörtchen und bittet doch die anderen, ihn nicht immer vor den Augen aller bloßzustellen. Das gehört sich nicht so. Das hat natürlich der Wirtschaftler gesehen und schon hat er seinen Stift gespitzt, aufs Blatt gefriemelt und eifrig eine These hingewuschelt. Die guckt er jetzt schräg an, denkt auf Klo zu gehen, belässt es aber dabei, gießt sich einen Tucken Scotch ein, trinkt jenen, fühlt sich sogleich benebelt und isst rückwärts auf das unter ihm liegende Blumenbeet. Sowas, jetzt sind alle Blumen nicht mehr zu sehen. Hingegen aber Gustav, den kann man sehen. Der liegt jetzt da rum und genießt seine freie Zeit als Metallstab in vollen Zügen.
Die Taube schuhut und kippt weg. Zuviel Scotch. Halt Moment, eine Taube, die... ?
Hierbei kommt es natürlich auf die Betrachtungsweise an, denn aus der Sicht des Wirtschaftlers, der natürlich gewisse Ansprüche auf eine falsch wahrgenommene Realitätsdarstellung hat, die ihm der Ethanol offeriert, obliegt ihm das Recht, optisch die Tauben mit... anderen Tieren zu ersetzen. Und da Alkoholdehydrogenase im allgemeinen zu lahm ist, taumelt er gedankenversunken auf seinem Platz hin und her.
Leider hat er so keine Chance mehr, seine heißgeliebte Beziehung zwischen Taube und Gustav herzustellen. Dafür kann er aber - und das überwiegt so einiges - die Paragrafen aus dem Handelsgesetzbuch frei aufsagen. Und das ist doch schonmal was. So, und was nun der Wirtschaftler mit der Hausanschlussleitung und dem Bestellflyer für den örtlichen Pizzamann gemeinsam hat, das erfahrt ihr natürlich in der nächsten Session. Ehrensache.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Gertrude.

Manchmal ist es echt ulkig, da wartet man auf etwas, aber es kommt nicht. Dann sitzt man stundenlang da, dreht Daumen, guckt auf die Terrasse, an die Wanduhr, auf den Porzellanteller vor einem. Und nichts passiert. Echt, das ist fast zum Haare raufen. Man steht dann auf, geht zum Kühlschrank, entnimmt irgendwelche Produkte mit Süßmolkepulver und Mineralstoffen aus dem obersten Regal und geleitet einen Metallstab in die dickflüssige Soße, bis sich ein ziemlicher Amount of Plürre auf der eingedellten Oberseite befindet. Und immer noch nichts. Man schiebt sich daraufhin unheimlich genüsslich jenen metallisch geformten Stab in die Kauhleiste und schleckt munter die aromatische Creme von dem silbernen Oval. Darauf ergießt sich förmlich ein Schwall kesser Enzyme, die den Eindringling mit feschen Gesten zu steuern versuchen und sich der Inhaltsstoffe, die vielleicht verwertbar zu sein scheinen annehmen, die sie auf Befehl von weit oben in die... nun ja, wo auch immer hinbringen. Wahrscheinlich kommen sie in ein Silo, das ist derbe groß. So groß, dass da einfach mal eine ordentliche Menge von dem Plürreerzeugnis reinpasst.
Diese Prozedur wiederholt sich ein paar Mal, bis der aus Granulat bestehende Behälter seinen kompletten Inhalt preisgegeben hat. Der kommt dann schlicht in den Müll. Der Metallstab wiederum senkt sich mit einer forschen Handbewegung gen Spülmaschinenklappentürgriff und verschwindet fortan in der Dunkelheit des emotionslos dahinvegetierenden Schlunds der Spülmaschine. Darauf wartend, dass sich noch andere Metallgegenstände zu ihm gesellen, chillt der Metallstab munter in seinem 0,5cm² Plastikraum. Der besteht - da kann selbst jeder noch so reiche Küchenbewohner Protest einlegen - aus einem Gestell, in das sich der Metallstab hineinflacken kann. Das war's. Mehr Raum is' nicht.
Aber hey, der Stab weiß Bescheid, wie der Hase läuft und kurz darauf kommen ein paar andere Teile und vergnügen sich in seiner Gegenwart. Dem Stab is' jetzt nicht mehr langweilig, der palavert geschwind vor sich hin und hält prächtige Volksreden von Mündern, Zähnen und dem Fleisch, in das er allzu oft gestochen wird. Die anderen sind begeistert. Nie hätten sie nur träumen dürfen, dass sie einmal neben einem Metallstab gewaschen werden, der doch tatsächlich mal im Arsch von einem Truthahn gesteckt hat. Amazing! Der Metallstab fühlt sich jetz' voll fame und beglückt die anderen Sachen nun mit gewaltigen Gesten von Regalreihen und Stanzmaschinen. Denn irgendwo muss er ja schließlich herkommen.
Also sein Ursprung, und da ist sich der Stab nicht ganz so sicher, obwohl er annimmt, dass wohl sein Ursprung doch auf diesen Fall zurückgeht (er wettet um eine Flasche kühlen prickelnden Clos du Mesnil-Champagner aus dem Hause Krug), muss in der Tat in der fixen Idee eines miesepetrigen Mongos entstanden sein, der sich am Kopf kraulend gerade Würstchen in einem Topf mit leckerem Wurstwasser zubereitet. Ja, da kam diesem alten Nasenbär irgendwann der Geistesblitz und er malte fix einen Metallstab auf ein Blatt weiß-angegrautes Druckerpapier, welches natürlich umweltschonend hergestellt war. Denn etwas anderes ließe sich nicht mit den Wertevorstellungen des Mongo unter einen Hut bringen.
Woher das Papier stammt, ist irrelevant, also fragt garnicht erst. Es kommt vom Supermarkt. Von wo aus auch der Metallstab kommt. In einer schnieken Box verpackt. Ha! Eine Box also, das war die Idee vom Vertrieb. Der fand die ganz schön und dachte sich, andere Organismen müssen die wohl auch so toll finden wie er. Daher ballerte er sie geschickt in das Geschirrregal und untersuchte das Nasenrümpfen der vorbeiziehenden Primaten. Und siehe da, ein Vollhonk hat sie gekauft, freut sich an der Kasse über den sensationellen Preis von 100 Tacken und bereit sie sogleich auch auf dem Tisch in seiner Wohnhöhle aus. Da liegen sie also, die Metallstäbe. Und einer davon, der Gustav, der steckt jetzt in der Spülmaschine und wartet. Und wie lang er noch wartet und was die Taube, die vor dem Fenster hockt und ein Glas Scotch trinkt mit ihm zu tun hat, das erfahrt ihr in der nächsten Session.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Trübsal.

Die Bank knarzt. Leise schwebt Staub vom Boden auf und kräuselt sich auf diesem wieder zu einem unklaren Gebilde zusammen. Vermischt sich mit kleinen Körnern, Schmutzpartikeln und groben Steinen. Hie und da sind weggeworfene Dinge zu erkennen, seicht sich durch den Nebel manifestierende aber doch unscheinbar entstehende Formen tun sich auf. Unklar, jene zu definieren, aber soweit man dies beurteilen kann, haben sich schon einige in diesen Gegenden aufgehalten. Abnutzung ist vernehmbar. Sie steht in der Luft wie ein Teppich aus Abgasen, legt sich auf alles, das man als festes Objekt bezeichnen kann. Ein Grund, genauer in diese bizarre Welt einzutauchen. Gut zu erkennen ist, wie deutlich sich die einzelnen Formen voneinander unterscheiden.
Allen gemein ist dieser Grauton, diese triste Farbe aus Melancholie und einer leicht depressiven Farce. Prädestiniert, um graue Novembertage zu untermalen. Unangenehme Kälte, ein Eiland von einem kahlen Baum verlassen auf dem weiten Feld der Trostlosigkeit. Über ihm thront eine vehemente Erscheinung in Form schwerer undurchdringlicher Wolken. Sie tränken die Luft unter sich in winzige Tränen, die sich an allem niederlassen, was noch versucht ein Fünkchen Helligkeit dieser toten Welt zu schenken.
Ein Mann mit einem langen Mantel und einem tief ins Gesicht gezogenen Hut durchdringt diese feuchten Schichten. Langsamen Schrittes nähert er sich dem Baum, sein kahler Stock setzt mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden auf. Langsam bleibt er stehen. Nässe sammelt sich zwischen den winzigen Fasern des Mantels. Seine feuchte Nase schaut langsam gen Baumkrone auf. Der Baum blickt mit einem versteinerten und ausdruckslosen Gesicht zurück. Kein bisschen Leben ist in seinem Geäst erkennbar. Er verweilt einfach da, kraftlos und ohne Zuversicht. Die knochige Hand hebt den Stock langsam hoch, bis er in einer horizontalen Position anhält. Wasser gleitet den Stock entlang, verfängt sich in den Rillen des Holzes, lässt sich durch die kalte Luft Richtung Boden fallen, wo es sich in kleinen Pfützen zusammenfängt und sich einen Weg durch die Natur bahnt. Die Schuhe sinken allmählich in den weichen Boden ein.
Der Mann nähert sich zögernd dem Baum. Alt muss er sein, wie er da so einsam steht. Nicht mal ein Tier wagt sich in die Nähe der dünnen Äste. Ganz langsam gleitet die Stockspitze durch die feuchte Luft auf den Baum zu. Wenige Augenblicke trennen noch die beiden Rohstoffe voneinander. Ob der Baum wohl erkennen würde, dass er seinen Verwandten so nah vor sich hat? Wie er sich doch verändert hat über die Jahre. Ein Wiedererkennen ausgeschlossen. Den beiden ist außer dem natürlichen Ursprung nichts mehr gemein.
Mit einer geräuschlosen Berührung trifft der Stock auf die Rinde des Baumes. Auch dieses hat sich der Baum nicht vorstellen können. Leicht und mit einer kraftlosen Armbewegung dreht der Mann den Stock vorsichtig von links nach rechts. Kleine Splitter und Teile der Rinde fallen zu Boden. Sofort gleitet Nieselwasser in die neu entstandene Einhöhlung. Der Mann nimmt den Stock langsam wieder zurück und lässt ihn gedankenlos zur Erde sinken. Er schaut zum Baum auf. Sein Gesicht fühlt sich kalt und leer an. Die tiefen Furchen durchziehen sein Gesicht wie kleine Bäche. Der Baum verfällt in Schweigen. Nichts regt sich. Kälte schwebt durch die fortwährend nasse Luft und dringt durch den Mantel an den Körper des Mannes. Der Baum fokussiert seinen farblosen Stamm. Das kleine Loch ist nicht zu sehen. So alt und schon so tot. Es ist eine Ewigkeit her.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Radau.

Gerade ist draußen nichts los, also widmen wir uns wieder Bräkel. Der bestimmt im Moment sein Verhalten auf Grund von äußeren Einflüssen, die ihm ganz gut zu schaffen machen. Respektive machten. Um detaillierter die Lage verstehen zu können, springen wir eine Abstraktionsebene höher, denn folgende Situation war ausschlaggebend für Bräkels bad mood: Sein letzter Auftrag, den er auszufüllen gedachte, behandelte einen etwas längeren und für seine Verhältnisse äußert komplexen Moment. In diesem ging es um eine junge Frau, die sich auf das Testgelände eines Rüstungskonzern begab, auf dem zur gegebenen Zeit ein Team von miesen Spezialisten einen kuriosen Boden-Boden-Raketen-Abgeber ausprobierte. Einer der Spezies erkannte die Frau - ist ja auch klar, denn dieser ausgebuffte Rabauke hatte erst am Vorabend die angesprochene Frau auf einen Digestif im Schwarzen Peter eingeladen, eine Stadtpinte. Warum auch immer, scheinbar steht er auf sie. Würde man ihn dahingehend fragen, würde er wahrscheinlich verneinen und als Erklärung die Handtasche der femininen Person heranziehen, um aus dessen Inhalt ein kleines technisches Wunderwerk hervorzuzaubern, dessen seine ganze Aufmerksamkeit und das Arrangement des Meetings gewidmet war. Was der gescheite Leser nicht weiß ist, dass die Frau eine Spionin verkörpert und für eine ziemliche dufte Firma arbeitet, in der sie geheime Sachen bastelt, recht mysteriös das ganze.
Nun denn, der Spezie erkannte sie halt, die Blicke trafen sich also zwangsläufig und das veranlasste ihn dann natürlich auch, seine Aufmerksamkeit nicht mehr auf den Ausgeber zu richten, sondern dem Charme der Spionin ein zweites Mal zu erliegen. Der Knackpunkt aber war, dass genau in diesem Moment ein Eichhörnchen über den Boden huschte, die Frau dem Wesen hinterherlukte, sich aus irgendeinem unergründlichen Grund die Fernbedienung aus des Spezies Hand entfernte und der Ausgeber daraufhin die Rüstungsfirma mit einigen Raketen verwöhnte. Das fand jetzt die Lagerhalle nicht so lustig, die ging nämlich gut zu Bruch.
Und diesen ganzen Moment, vom Betreten des Testgeländers durch die Frau bis zum Zerbarsten der Lagerhallenaußenwandslamellen und den dazugehörigen Innereien samt Kloschüssel und Bleistiften vom Schreibtisch des dicken Abteilungsleiters, diesen ganzen Moment musste Bräkel ausfüllen.
Das war selbst für ihn zu viel. Und das versucht er nun seinen anderen Kollegen zu erklären. Das macht man halt so, man erklärt sich immer was, was man so gemacht hat und welchen Auftrag man bekam. Und all' solche Scherze. Ein bisschen unentspannt ist Bräkel schon. Gut nur, dass kein Plärra in der Nähe war, denn Möglichkeiten sind eigentlich für Projekte dieser Größe eher den Momenten vorzuziehen. Oder sie werden das allgemein ganz einfach, also vorgezogen. Mit großem Unwollen aufzustehen erhebt sich Bräkel und schaut sich um. Einige sind schon weg. Sind echt nur noch wenige da. Aber die scheren sich jetzt nicht sonderlich um ihn. Sind ein paar aus dem Leistungssystem. Bräkel nähert sich dem Ausgang. Die Absperrung entteilt sich, er gleitet hindurch. Sie schließt sich erleichert. Draußen ist auch nicht viel, nur leerer Raum. Einige Gedanken durchkreuzen die metaphysische Schicht. Bräkel denkt. Denkt an Licht, Organspender und Herzen aus Griesbrei mit Zimt. Ja ja, was haben diese Wörter mit der Gesamtsituation zutun? Das kann Bräkel auch nicht sagen, das sind dann immer Gedankenströme, die man aufnehmen und weiterdenken könnte.
Bräkel gleitet weiter voran. Ein Ziel hat er im Grunde nicht, doch, eigentlich schon, der Vorgarten wäre eine sich lohnende Alternative zur Plausibilitätsausgabe. Oder der Approximierungsschalter. Aber da ist immer allerhand los. Ein Idee wär es aber.